Die ,Schmitze Billa‘ und die Unterwelt

Mit Detailgenauigkeit berichtet Autor Udo Bürger von Krimi­nal­­fällen im Rheinland der Preußenzeit. Damit ist die damalige Rheinprovinz gemeint, die sich über Teile Nordrhein-Westfalens, Rheinland-Pfalz, des Saarlands, Hessens aber auch Belgiens er­streckte. Allein 127 Hinrichtungen, die bis 1851 noch öffentlich auf städtischen Plätzen stattfinden durften, wurden durchgeführt. Der Autor erzählt von ihrer jeweiligen Geschichte, aber auch von den damaligen Methoden der Kriminalistik, und gibt dabei Einblicke in das soziale und gesellschaftliche Leben. Die erste nicht öffentliche Hinrichtung fand nach der Einführung des preußischen
Strafgesetzbuchs am 12. Dezember 1851 in Bonn statt. Wie die Bonner Zeitung schrieb, hatten sich nämlich die öffentlichen Hinrichtungen „eher demoralisierend als wohltätig und warnend auf die Menge“ ausgewirkt. Guillotiniert wurde Peter Cajetan, ein Wiederholungstäter. Die gesamte Geschichte steht selbst­verständlich im Buch. Ebenso wie der Ausgang eines Pistolenduells zwischen zwei Studenten. Der Sieger musste sich nach dem Tod seines Kontrahenten vor Gericht verantworten, wurde von den Geschworenen jedoch von allen strafrechtlichen Vorwürfen frei­gesprochen, da er durch unglückliche Umstände in das Duell hineingeraten sei. Dennoch sah der Landgerichtspräsident im Anschluss die „Nothwendigkeit eines speciellen Duellgesetzes“.

Zugrunde liegen dem 320 Seiten starken Buch umfassende Quelle­nstudien, besonders der damaligen (Gerichts-) Zeitungen, die einen äußerst anschaulichen und authentischen Einblick in das frühere Rechtssystem und Polizeiwesen ermöglichen. Von Saarbrücken bis Kleve entlang des Rheins werden die interessantesten Kriminalfälle auch kleinerer Ortschaften zusammengetragen. Viele zeitgenössische Fotografien ergänzen die zahlreichen Quellen. Unter anderem ist die ,Schmitze Villa‘ mit genauer Angabe der Straße und Hausnummer abgebildet. Ob sie wirklich in Poppelsdorf liegt, das lösen wir Mitte des Monats auf.

Udo Bürger
,Rheinische Unterwelt – Kriminalfälle im Rheinland von 1815-1918‘
Mit zahlreichen Abbildungen
320 Seiten
ISBN 978-3-95451-061-0