Ein schöner Verein: Der Verschönerungsverein für das Siebengebirge

Nachdem sich der VVS als Eigentümer des Siegriedfelsens, auf dem die beiden Siebengebirgswinzer Broel und Pieper Rebstöcke beackern, erst am 5. November zu einer Versammlung über die Kostenbeteiligung getroffen hatte, fiel dann eine eher widerwillige Zusage von 165.000 Euro als anteilige Kostenübernahme der Sicherungsmaßnahmen des Felsens. Der späte Zeitpunkt der chaotischen Versammlung brachte dem Verein den Spitznamen ,Verzögerungsverein‘ ein. Dies alles zur wichtigsten Zeit im Winzerjahr: Zur Erntezeit. Die Ernte war in der Zwischenzeit von ,Heinzelmännchen‘ eingefahren worden, die ehrenamtlich und ohne Schaden an Leib und Leben zu nehmen, genau die Trauben abgeschnitten hatten, deren Schnitt professionellen Winzern und Erntehelfern durch ein Betretungsverbot des Weinberges untersagt war. Diese Posse werden wir sicherlich demnächst als neues Lustspiel im Millowitsch-Theater wiederfinden.

Zurück zum Ernst der Lage: Wie bei ,normalen‘ Kostenschätzungen der öffentlichen Hand üblich, stellten sich diese bald als falsch heraus. Doch diesmal in der anderen Richtung: Die Felssicherungsmaßnahmen sollten nun ,nur‘ noch knapp 1,5 Millionen kosten. Ein Betrag, der durch die ursprüngliche Kostenübernahme-Bereitschaft der anderen Beteiligten (Land, Kreis etc.) bereits gedeckt war. Dies bewegte ein paar superschlaue Vereinsmeier des ,Verzögerungsvereins‘ zu der Überzeugung, gar nichts mehr zahlen zu müssen.

Das Verhalten der Vereinsmehrheit und der schlingernde Führungskurs seines Vorsitzenden und früheren Regierungspräsidenten Lindlar sind nicht nachvollziehbar. Es klingt schon hilflos bis höhn­isch, wenn Lindlar ausführt: „Wir stehen zu hundert Prozent auf der Seite der Winzer. Wir bitten, eine gemeinsame Front gegen die zu machen, die wirklich schuld sind“. Die Realität sieht da wohl anders aus.

Dabei bestehen unbestreitbar Vereinsverdienste für den Naturschutz im Siebengebirge, aber im Streit um die Festigung des Siegfriedfelsens verhält man sich schon sehr egoistisch und kleinkariert und kennt offensichtlich nicht den alten Spruch „Eigentum verpflichtet“.

Lediglich Landrat Frithjof Kühn stellte klar: „Ich war gegen die Empfehlung von Vorstand und Beirat, weil ich das juristisch anders sehe“. Seine Einschätzung, das Land werde einer Lösung im Sinne der Empfehlung von Vorstand und Beirat (,Null­beteiligung‘) auf keinen Fall zustimmen, führte letztlich dazu, dass der VVS am Ende aber doch bereit war, bis zu 165.000 Euro der
Kosten zu übernehmen.

Viele Köche verderben bekanntlich den Brei, die Posse um den Siegriedfelsen geht in die nächste Runde und liefert weiteren Stoff für eine Seifenoper.