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Zu den am 10. Mai verbrannten Büchern zählten die Werke von Lyrikern, Romanautoren und politischen Schriftstellern, darunter Bertolt Brecht, Max Brod, Maxim Gorki, Ernest Hemingway, Alfred Kerr, Erich Kästner, Alexandra Kollontay, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Arthur Schnitzler, Anna Seghers und Arnold Zweig. Ebenso wurden Publikationen von Politikern,
Philosophen und Wissenschaftlern den Flammen übergeben.
Verschiedene Veranstaltungen und besonders die Enthüllung des Erinnerungsmals am 10. Mai auf dem Marktplatz laden alle Bürger zur Teilnahme ein.

Zum 80. Jahrestag

Der 10. Mai 1933 war ein Mittwoch. In Bonn war das Wetter nicht besonders gut, für den Abend war Regen gemeldet. Die Presse berichtete darüber, dass der Haushalt der Stadt gerade verabschiedet worden war, meldete einen Verkehrsunfall auf der Bornheimer Straße und kündigte für den kommenden Sonntag die Aufführung der Komödie ,Charley’s Tante‘ im Stadttheater an. Das Wohlfahrtsamt teilte mit, dass verbilligte Speisefette nicht in jüdischen Geschäften zu erhalten seien und die Reichsbahn warb mit Sonderangeboten für Pfingsten. Ein ganz normaler Wochentag in Bonn?

Zwei Tage zuvor hatte die Bonner Studentenschaft im General-Anzeiger einen Aufruf veröffentlicht, in dem es unter anderem hieß: „Die deutsche  Studentenschaft hat den Kampf ,wider den undeutschen Geist‘ aufgenommen und ruft Euch alle, Bonner Bürger und Studenten, auf: „Reiht euch  ein in diese Front, auf das (sic!) der Sieg unser wird!“ Wir kämpfen um die Reinheit unserer Kultur. Das deutsche Schrifttum der Nachkriegszeit ist verpestet durch eine Unmasse von fremdgeistigen, zersetzenden und entsittlichenden Schriften. Schmutz und Schund wurden aus niedrigem Geschäftsgeist heraus in die Lektüre des deutschen Volkes getragen, wurden der Jugend vorgesetzt und trieben entsetzliche Wucherungen an der deutschen Volksseele. Wir haben es heute in der Hand, mit sicherem Griff über diese Krankheit Herr zu werden, wenn jeder von uns seine Pflicht erkennt.

Heraus aus Euren Bibliotheken mit den zersetzenden jüdischen Büchern und dem Schund, der den Büchermarkt überschwemmt hat! Die Bonner Studentenschaft wird am Mittwoch, 10. Mai, in aller Öffentlichkeit eine Verbrennung vornehmen, die von diesem schmutzigen Material gespeist wird. Die Flamme des Scheiterhaufens soll uns Symbol und Schwur sein auf das Ende des undeutschen Geistes und die Echtheit unserer deutschen Kultur.“

Die Bücherverbrennungen sollten der Höhepunkt der vom ,Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft‘ groß angelegten und bis ins Detail zentral geplanten mehrwöchigen Kampagne ,Wider den undeutschen Geist‘ sein. Am 12. April wurden die ,12 Thesen wider den undeutschen Geist‘ veröffentlicht. Eine zentrale Aussage war, dass „der Jude, und der, der ihm hörig ist“ der gefährlichste Widersacher sei. Jeder Student sollte seine eigene Bücherei und die von Bekannten ‚säubern‘. Universitäts- und Institutsbibliotheken, öffentliche Bücher­eien und Buchhandlungen sollten durchsucht werden. ‚Schwarze Listen‘ mit Autorennamen und Werken waren verteilt worden. Bestandteil der Verbrennung waren die berüchtigten ‚Feuer­sprüche‘, bei denen lokale Protagonisten mitunter noch Variationen zum offiziellen Text beisteuerten.

Hauptschauplatz der für den 10. Mai angesetzten Bücherverbrennungen war Berlin. Dort trat der am 13. März 1933 zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ernannte Joseph Goebbels als ,Feuerredner‘ gegen jüdische, sozialistische und demokratische Autoren auf.

In Bonn versammelten sich am Abend des 10. Mai gegen 22.30 Uhr die Bonner studentischen Verbände im Hofgarten. Um 23 Uhr marschierten sie zum Marktplatz, auf dem laut Bericht­erstattung des General-Anzeigers trotz strömenden Regens dichtes Gedränge herrschte. Als Rednertribüne diente die durch Scheinwerfer hell erleuchtete Freitreppe des Bonner Rathauses, davor standen Vertreter der örtlichen NSDAP und einige Hochschullehrer. Der ‚Führer‘ der Bonner Studentenschaft wies darauf hin, dass die Bücherverbrennung erst ein Anfang sei. Die Aktion ‚Wider den undeutschen Geist‘ werde erst nach „Ausrottung aller undeutschen Geistesproduktion“ abgeschlossen sein.

Nachdem die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen war, brannte der Scheiterhaufen auf dem Marktplatz und der Kunst­historiker Eugen Lüthgen verkündete von der Freitreppe des Alten Rathauses:

„Wer immer das kostbarste Gut unseres Volkes, die deutsche Sprache, dünkelhaft verschmutzt, wer in anmaßender Frechheit Werk und Würde des deutschen Volksgeistes antastet, auch der gehört […] mit seinem Werk auf diesen Scheiterhaufen.“

Veranstaltungen

Das neue Erinnerungsmal an die damaligen Untaten besteht aus über den Bonner Marktplatz verstreuten ‚Lese-Zeichen‘. Es sind in das Pflaster eingelassene Rücken von Bronzebüchern, die Titel und Autoren der von den Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 verbrannten Bücher nennen. Die zunächst zufällig auf dem Platz verteilten ,Lese-Zeichen‘ verdichten sich an der Stelle vor der Rathaustreppe, wo die Bücher verbrannt wurden.

Zusätzlich hierzu ist in Form einer Büchertruhe ein wetterfester Behälter in den Platz eingelassen. Seine Inschrift benennt das Ereignis und weitere Autoren von verbrannten Büchern. In diesem wird über das Jahr eine Büchersammlung der Autoren, deren Werke hier verbrannt wurden, aufbewahrt.  

Enthüllung des Erinnerungsmals

Freitag, 10. Mai,15 Uhr
Bonner Marktplatz
11 bis 18 Uhr
80 Jahre nach der Bücherverbrennung
Bonner Antiquariate präsentieren Bücher der Verbrennungslisten sowie Exilliteratur und bieten diese am historischen Ort zum Kauf an.