Gastronomie


© www.colourbox.com

© www.colourbox.com

© Erwin Ruckes

© Erwin Ruckes

© Erwin Ruckes

© Erwin Ruckes

Mal „schön“ essen gehen?

Restaurantbesuche leicht gemacht

Von Fidel Gastro

Die Erlebniswelt „Restaurant“ unterliegt einem stetigen Wandel. Das gilt für die angebotenen Speisen und Getränke ebenso wie für das Ambiente und das Personal. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte verlief eigentlich positiv. Aber: Keine Rosen ohne Dornen. Restaurantgäste sind heutzutage viel fachkundiger und emanzipierter, wenn es um Kritik an angebotenen Speisen und Getränken geht. Ein kleiner Rückblick und ein Ausblick in die Welt der
Gastronomie.

Gegessen wurde in den fünfziger und sechziger Jahren überwiegend zu Hause. In ein „Speise-Restaurant“ ging die Mehrheit der Bevölkerung vorwiegend aus besonderem Anlass (Geburtstag, Hochzeit, Todesfall etc.). Das hing auch mit dem verfügbaren Einkommen zusammen. Die damals schon existierende gehobene Hotel-Gastronomie konnten sich Normalbürger nicht leisten.

Getrunken wurde in diesen Zeiten durchaus häufiger. Es gab – besonders im Rheinland – die klassischen Theken und es gab Stammtische als Vorläufer der heutigen Facebook- und sonstiger digitaler Mediennutzer, die eher vor dem Bildschirm trinken.

Als das Essen interessanter wurde
Mitte der siebziger Jahre schwappten Neuigkeiten aus der französischen „nouvelle cuisine“ in die Braten-, Kartoffel- und Kloß- duftgeschwängerten deutschen Restaurantküchen. Das machte auch die inzwischen besserverdienenden Normalbürger neugierig: Man ging auch mal „schön“ essen, um zu zeigen, dass man sich etwas leisten konnte.

Die neue Küche aus Frankreich bot bemerkenswerte Kontraste zur teutonischen Blut- und Bodenküche mit fetten Saucen und mißhandeltem Fleisch: Kürzere Kochzeiten, regionale Produkte, moderne Küchentechnik und gesundheitsorientierte Produkte. Und auf dem Teller lagen nicht mehr Königsberger Klopse, Hochzeitssuppe und Rinderbraten mit Maggi-Sauce, sondern Auberginenpuree gegart im Safrandampf oder gar „Oeufs celine“ mit Kaviar und Wodka. Wer der französischen Sprache nicht mächtig war, wurde umgehend auf dem Teller enttäuscht und plante mitunter einen Französich-Kurs an der ortsansässigen Volkshochschule.

Es waren die Zeiten, als Tante Else noch Austern mit Ostern verwechselte und manche Speisenkarte in den achtziger Jahren las sich, als hätte der Koch sie in vollbekifftem Zustand geschrieben um zu testen, wie weit er bei der Veräppelung vermeintlich fachkundiger Kundschaft überhaupt gehen könnte.

Die Nouvelle Cuisine übertrieb es dann irgendwann, aber nur in den Kreationen, nicht bei den auf dem Teller verfügbaren Ess-Mengen. Die Minimalportionen verhielten sich reziprok zu den Preisen, aber so mancher Restaurantignorant erzählte in seinen Bekanntenkreisen großkotzig von einem „Ameisensouflet an Wild-Majonaise“ für 22 DM. Die Portion hätte selbst bei einem Wellensittich weitere Hungergefühle insinuiert.

Die Es(s)kapaden der achtziger Jahre wurden noch getoppt von einer „Gottesanbetung der Köche“, die sich inzwischen wie Hollywood-Stars gerierten. Dabei verdienten die Küchen-Rastellis aber immer noch weitaus weniger als echte Schauspieler, egal wie schlecht diese waren.

Und dann gab es ja auch noch das Servicepersonal, welches sich in dieser Zeit wie ein gebückter Pinguin dem Gästetisch näherte. Diese Trinkgeld-Schleicher standen hinter dem hungernden Gast und gossen schon das Weinglas nach, als der Trinkende die Flüssigkeit noch gar nicht komplett heruntergeschluckt hatte.

Ach, was waren das für Zeiten, als uns etwas gut geschmeckt hatte, was wir bis dahin überhaupt nicht kannten und auch nicht richtig aussprechen konnten.

Moderne Zeiten in der heutigen Gastronomie
Der Unfug der frühen Jahre ist längst passé. Wenn der Begriff „multi-kulturell“ irgendwo einen Sinn macht und eine gute Entwicklung genommen hat, dann sind es nicht Flötenspieldarbietungen über das Werk von Hindemith, dargeboten von einem Trio aus Grönland, Obervolta und Sachsen-Anhalt oder Diskussionen in einer Gendergruppe über die Emanzipation im Löwengehege des Kölner Zoos. Echtes Multikulti und Emanzipation finden nur auf dem Teller statt.

Und deshalb gehe ich auch gerne in ein afghanisches Restaurant mit Spezialitäten aus der südlichen Sahel-Zone oder in eines der wenigen verbliebenen China-Restaurants, wo man immer schon den Eindruck hatte, dass es küchenbunt zuging: Von den verschwundenen Katzen aus der Nachbarschaft über eine Küchenend­reinigung bis zu einem Gratisschnaps, der nach der Entsorgung in einer nahen Topfpflanze den umgehenden Exitus derselben erkennen lässt.

Heute ist die Speisenkarte „cross-over“, wie immer man dies übersetzen will. Der Koch ist von innen und außen tätowiert und trägt eine Mini-Gabel in der Unterlippe. Der Kellner hat den Daumen in der Suppe, das Hemd aus der Hose und wird gerne nach weiterer Dienstleistung herbeigebeten, nicht zitiert. Alles wird gut, nichts wird besser, aber alles ist easy.

Prima ist auch, dass viele Viel-Restaurantgänger inzwischen zu Hause besser kochen als die vom Finanzamt, der Lebensmittelkontrolle und dem Vermieter geplagten Restaurantbesitzer. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt – auch in Bonn – einfach zu viele und zu schlechte Restaurants, deren Spitzenleistung nur noch in ihrer überzogenen Preisgestaltung liegt, besonders bei den Wein-Preisen, wo die Bundesstadt – wie in vielen anderen Rankings – in diesem Fall mal leider wieder in der Spitzengruppe liegt.

Zum Schluss könnte ich ja ein paar Restaurants empfehlen, wo dieser Artikel überhaupt nicht zutrifft und wo man für – nicht immer billige – aber den Preis werte Mahlzeiten in Koch- und Serviceleistung geboten bekommt. Aber warum sollte ich das hier mitteilen, finden sie es einfach selbst heraus. Es gibt diese Lokale: In Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und besonders an der Ahr.