Lebensmittellexikon


Diesmal: Buchstabe L

Diesmal: Buchstabe L

Essen:

Lebensmittelunverträglichkeit

„Das vertrag ich nicht“ steht häufig für „Das mag ich nicht“. Unverträglichkeit bei bestimmten Lebensmitteln ist medizinisch keine wirkliche Allergie. Wer sich einmal nach dem Verzehr einer schlechten Muschel übergeben hat, isst meist keine mehr, weil er damit ein übles Erlebnis verbindet. Natürlich gibt es objektive Unverträglichkeiten, zum Beispiel Laktose.

Oft aber trägt die Vorstellung im Kopf subjektiv zur Ablehnung eines Produktes bei: Dazu zählen Innereien wie Bries, Nieren oder auch ‚Äußereien‘ wie Hammelhoden oder gar Schafsaugäpfel. Wer so etwas nicht verzehren will, sollte nicht zu oft nach Frankreich oder gar nach Asien reisen.

Echte Feinschmecker haben hingegen nur eine einzige Lebensmittelintoleranz: Sie mögen einfach kein schlechtes Essen!

Trinken:

Liebfraumilch

Früher trug fast jede zweite deutsche Weißweinexportflasche diesen im Ausland geschützten und nach EU-Recht anerkannten Markennamen. Die ‚Trinkmarmelade‘ hatte damit einen wesentlichen Anteil am schlechten Ruf deutscher Weine bei ausländischen Weinkennern. Diese Lieblichkeiten fanden selbst im eigenen Land zu Zeiten früherer Süßwein-Geschmacksverirrung kaum Gefallen, wozu auch die grauenhaft kitschigen Etiketten beitrugen. Zur Ehrenrettung des Namens sei erwähnt, dass er auf die Wormser Liebfrauenkirche zurück geht, die schon 1687 eigene Weinberge besaß. Daraus entstand ein ‚Gebietsphantasiename‘, der später nicht nur in Rheinhessen, sondern auch in den angrenzenden Weinanbaugebieten Pfalz, Nahe und Rheingau für den Export genutzt wurde.

Den angerichteten Imageschaden deutscher Weine im Ausland versuchen die Exporteure inzwischen mit einem „International Dry“ entgegen zu steuern. Allerdings: Auch trockene Weine kann man in schlechter Qualität herstellen und zumindest dies ist den Großvermarktern mit der ‚New Liebfraumilch‘ mal wieder gelungen.