Regionaler Genuss oder regionaler Beschiss?

Von R.Wien

Regionalität ist „in“. Besonders beim Essen und natürlich auch beim Trinken. Hofläden stehen für Authentizität der ‚Scholle‘, die geschlachtete Sau kannte man persönlich, bevor sie auf dem Teller zum Liegen (pardon: Erliegen) kam, sie wurde gebraten, in Stücke geschnitten und auf dem Teller des Gasthofes auch noch persönlich begrüßt: „Na Jolanthe, so ist das. Irgendwann werden wir alle gefressen, irgendwann erwischt es jeden“.

Den Spargel zum Schweinefilet wähnt man aus dem Vorgebirge oder aus Rheinhessen, er könnte allerdings einen längeren Weg aus Peru zurückgelegt haben. Dafür ist er aber billiger und trockener. Und die Himbeeren sind eventuell auch nicht vom Hofgelände des örtlichen Hofladens, sondern aus dem Plastikfolien-Meer im spanischen Andalusien, die aber immerhin von einem regionalen Früchte-Spediteur über viele Kilometer heran gekarrt wurden.

Ist doch letztlich auch egal: Der umweltbewusste Endverbraucher will nur sein Gewissen beruhigt wissen und wird mit dieser Einstellung und der dazu gehörenden Uninformiertheit und Dämlichkeit gnadenlos verarscht. Ich finde, das hat er auch verdient. Wie sagte mal ein rheinischer Großbauer aus meiner näheren Heimat zu mir im besten „rheinischen Slang“: „Erwin, die Löck wollen dat esse, wo die dran vorbei komme“. Das war seine geographische Beschreibung für Regionalität. Da hatte der schlaue Bauer aber genau den Nagel auf den Kopf oder die Erdbeere auf den Kopf des dämlichen Endverbrauchers geklopft.

Mein Tipp: Einfach immer auf das Etikett unter dem Boden oder an anderer Stelle der Verpackung gucken. Dann weiß man, wie weiträumig der Begriff „regional“ sein kann.

Guten Appetit! Möge euch der Artikel im Hals stecken bleiben!