Sammlung: Pablo Picasso Suite 156
mit Kubra Khademi
28. Oktober 2023 – 4. Februar 2024
Am 8. April 2023 hat sich Pablo Picassos Todestag zum 50. Mal gejährt. Unter dem Titel The Picasso Celebration 1973-2023 nehmen eine Vielzahl von Ausstellungen in Europa und den USA diesen Jahrestag zum Anlass, sein Werk dem heutigen Pub-likum näher zu bringen. Die Sammlung des Museum Ludwig beherbergt die dritt-größte Sammlung Picassos weltweit und beteiligt sich im Jubiläumsjahr mit der Gra-fik-Sammlungspräsentation Suite 156, einem späten Werk des Künstlers: 155 Radierungen aus den Jahren 1968 bis 1972. Ergänzt wird die Präsentation der Radi-erfolge durch eine Neuproduktion der zeitgenössischen afghanischen Künstlerin Kubra Khademi.


Pablo Picasso Suite 156
Sammlungspräsentation mit Kubra Khademi
Am 8. April 2023 hat sich Pablo Picassos Todestag zum 50. Mal gejährt. Unter dem Titel „The Picasso Celebration 1973-2023“ nehmen eine Vielzahl von Ausstellungen in Europa und den USA diesen Jahrestag zum Anlass, sein Werk dem heutigen Publikum näher zu bringen. Die Sammlung des Museum Ludwig beherbergt die drittgrößte Sammlung Picassos weltweit und beteiligt sich im Jubiläumsjahr mit der Grafik-Sammlungspräsentation Suite 156, einem späten Werk des Künstlers: 155 Radierungen aus den Jahren 1968 bis 1972.
Der Entstehungszeitraum des Zyklus verlief parallel zu den weltweiten sozio-kul-turellen Bürgerrechtsbewegungen, die in Picassos Wahlheimat Frankreich 1968 im sogenannten Pariser Mai ihren Höhepunkt fanden. In seinem letzten druckgrafischen Zyklus erkundet Picasso persönliche Erinnerungen, Liebe, Leben und Sterblichkeit, die westliche Kunst- und Kulturgeschichte sowie die Beziehungen zwischen Kün-stlern, Modellen und Betrachtern. Ihr verbindendes Motiv ist Eros, der griechische Gott der erotischen Begierde, der als Lebenstrieb und Leidenschaft aller Sujets aus-drückt. Bei der Erstpräsentation im Frühjahr 1973 in Paris stieß die Serie auf gemischte Reaktionen. Positive Kritiken würdigten Picassos technisches Können, je-doch führte die explizite Darstellung sexueller Verhaltensweisen zu Kontroversen. Diese Auseinandersetzung bildet den Ausgangspunkt der Präsentation: zum einen werden Besonderheiten des kollektiven Arbeitens in druckgrafischen Verfahren aufgezeigt – Picasso arbeitete sehr eng mit dem belgischen Druckmeister Aldo Crom-melynk zusammen. Zum anderen entstand die Suite zu einer Zeit des sozialen Wan-dels und kulturellen Umbruchs, in der die Frauenbewegung, der Diskurs um Körper-
bilder, Politiken, Sichtbarkeit und Repräsentation sich auch in der Kunstwissenschaft ausdrückte.
Parallel zum Entstehungszeitraum der Suite 156 entstand in Picassos Wahlheimat Frankreich an der École des beaux-arts in Paris das Magazin Le Torchon brule, das von Aktivistinnen und Künstlerinnen aus dem Mouvement de libération des femmes (MLF) herausgegeben wurde. Eine Auswahl an Illustrationen, Grafiken und Text-beiträgen aus dem „menstruell“ erscheinenden Magazin belegt das Wirken feminis-tischer, künstlerischer Kollektive dieser Zeit.
Ergänzt wird die Präsentation der Radierfolge durch eine Neuproduktion der zeit-genössischen afghanischen Künstlerin Kubra Khademi (*1989 Ghor, Afghanistan). Ihre Kunst setzt sich politisch und zugleich humorvoll mit gesellschaftlichen Nor-mvorstellungen von weiblichen Körpern und Identitäten auseinander. Hierbei wird der Körper bewusst als provokant- künstlerisches Mittel eingesetzt, um Geschlechterg-erechtigkeit einzufordern. So ging sie für ihre Performance Armor 2015 in einer Rüs-tung, die den weiblichen Körper nachbildete, durch die Straßen Kabuls. Die Künst-lerin musste in Folge das Land verlassen und lebt seitdem in Frankreich im Exil. Ihre dreiteilige Neuproduktion von großformatigen Gouachezeichnungen zeigt Esel in un-terschiedlichen teils erotischen Posen, die von der persischen Miniatur und mogulischen Malerei inspiriert ist. Die Zeichnungen visualisieren orale afghanische Alltagskultur, in dem sie die Art und Weise aufgreifen, wie Frauen untereinander über ihr sexuelles Begehren sprechen und ihr Wissen an die nächste Generation von Frauen weitergeben.
Diese Blickumkehr vom männlichen zum weiblichen Blick erweitert das Thema der sexuellen Begierde um eine außereuropäische, weibliche Perspektive und bietet die Gelegenheit, Picassos Suite 156 im Zusammenhang mit aktuellen Debatten über Kunst und Gender zu reflektieren.
Kuratorin: Eboa Itondo
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Tel.: 0221 221 26165
Die Ausstellung endet am 04.02.2024
