Weiberfastnacht für Halbintellektuelle?
Nachschau zum Weltfrauentag am 8.März
2003 bekam ich die Anfrage einer rechtsrheinischen Tageszeitung, ob ich Interesse hätte, einen Kommentar zum Internationalen Weltfrauentag am 8. März zu schreiben. Ich war etwas verwundert, wieso gerade ich angefragt wurde. Zu dieser Zeit schrieb ich regelmäßig Kolumnen in einer anderen Zeitung, in der ich mir viele spitze Bemerkungen leistete, was dem Lesepublikum offensichtlich gefiel. Vielleicht war das ja der Grund für die Anfrage. Erwartete der Verlag von mir ein paar Spitzen aus männlicher Sicht?
Von einem Weltfrauentag hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört. Also begann ich mit Recherche und fand einige interessante historische Hintergründe. Einen „Kampf- und Forderungstag“ beschloss 1910 eine Kopenhagener Frauenkonferenz. Das Frauenwahlrecht war das Ziel. Inhaltlich konnte ich mich mit dem Thema problemlos identifizieren. Aber der Aktionstag geriet schon bald in Vergessenheit. Danach ging es erst mal bergab mit dem Frauentag, in den siebziger Jahren wurde er von Gewerkschafterinnen und Politikerinnen „wiederbelebt“.
Bei der Recherche nach Veranstaltungen in Bonn 2002 bekam ich allerdings schon Stirnrunzeln. War das alles ernst gemeint von den Damen im Kampf um ihre Gleichberechtigung? Damals gab es in Bonn Aktivitäten wie „Frauen und Welthunger“, es gab den „Internationalen FrauenStadtRundgang“, ein „Frauenkampfkunstverein“ Bonn arrangierte eine „Vorführung verschiedener Kampfstile“, eine Ausstellung „Eva hat das Leiden satt“ und der Remmi-Demmi-Frauentag endete mit Livemusik, Showprogramm und Buffet. In einem bayerischen SPD-Ortsverein wurde gar die Forderung erhoben, dass sich Frauen am Welt-Frauentag ihren Männern sexuell verweigern sollten. Passivität als Protest? Warum nicht, es müssen ja nicht immer alle Aktivistinnen sein.
Da stellt sich die Frage, was ist das: Geschlechterkampf oder Geschlechterkrampf?
Gehen wirklich emanzipierte Frauen zu solchen Events oder sehen sie das zwischen Larmoyanz und Militanz angesiedelte selbstgerechte Geschnatter organisierter Flintenweiber eher kritisch?
Das fortwährende Bemühen bestimmter Frauenkreise, mit sonst gerne den Männern vorgeworfenen Mitteln und Strategien ihre eigenen Interessen zu verfolgen, ist besonders in Leitungsgremien großer Unternehmen, Organisationen und der Politik zu beobachten.
Da braucht es wohl irgendwann auch für den Mann einen „Gleichstellungsbeauftragten“ und selbstverständlich müssen Männerparkplätze her. Es gibt schließlich viele Männer, die genauso schlecht parken wie Frauen. Ich fordere entsprechend dem Bevölkerungsanteil eine weibliche Mehrheit in Parlamenten. Das anschließend stattfindende „Stutenbeißen“ an den Rednerpulten wird den Unterhaltungswert politischer Debatten wesentlich erhöhen.
Und was ist mit einem „Internationalen Welt-Männertag“? Nein, den brauchen wir Weltmänner nicht, uns reicht der Vatertag als Anlass zum Saufen – oder einfach die Lektüre des Programms eines örtlichen Frauentags.
Auf Ihr Wohl, meine Damen!
