Bob Dylan in Köln
Zwischen Arroganz und Genialität
Ein merkwürdiges Konzert mit Höhen und Tiefen. Dylan präsentierte sich wie immer eigenwillig und umnebelt seine Marotten gerne als persönliche Aura. Genialität und Arroganz sind da nicht weit auseinander. Das Konzert hatte Höhen und Tiefen und bleibt in denkwürdiger Erinnerung.
DIE HÖHEN: Einprägsamer Sound mit zu Beginn etwas überlautem Schlagzeug, wurde aber nachgebessert. Keine ‚alten Kamellen‘ sondern neue Stücke. Pünktlicher Beginn und nach siebzehn Stücken ohne Pause auch pünktlicher Schluss.
DIE TIEFEN: Die Setlist zu einseitig und im meist gleichen langsamen Rhythmus. Minimalismus als Qualitätssiegel? Die gefälligen etwas schnelleren Songs erinnerten an J.J.Cale. Die schlappe Beleuchtung ließ die Musiker trotz nahem Sitzplatz kaum erkennen. Dylan’s Nuschelgesang mit erstaunlich kräftiger Stimme textlich kaum zu verstehen, obwohl ja gerade die Texte seine Stärke sind. Alle Stücke mit durchgängigen drei bis vier Akkorden intoniert, was schnell zu einer gewissen Langeweile führt.
Das Besondere an der Moderation von Dylan ist, das keine Moderation stattfindet. Der Altmeister sagt weder “Guten Tag‘ noch ‚Byebye‘, er spielt einfach seine Musik und ignoriert das Publikum völlig. In dem Alter über Achtzig kann er sich das natürlich leisten. Das Publikum übrigens in der Überzahl im Alter von Ende Fünfzig bis Scheintot.
Dylan war wohl zum letzten Mal in Köln und hat seinen Platz in der „Hall of Fame“ der Popmusik. Ich werde das durchaus lohnens- und lobenswerte Konzert, bei dem die Mitnahme von Handys Gott sei Dank verboten war, mit dem Satz in Erinnerung behalten:
„Ein gepflegter Seniorenabend mit besinnlicher Musik“.
Übrigens: Am 15.Mai 2026 kommt Eric Clapton in die Arena. Dann geht es wohl etwas bluesiger und rockiger zu.
04.11.2025
