Guckst Du noch oder bist Du schon blöd?

Von Gebührenzahlern und Schwarzsehern

Wie viele Fernsehzuschauer gibt es in Deutschland? Sind da die Schwarzseher schon dabei? Was bedeutet eigentlich Schwarzseher? Sind das die Fernsehgucker, die keine Gebühren zahlen? Ich selbst zahle zwar die Zwangsgebühren für die öffentlichen Anstalten, bin aber gleichzeitig auch Schwarzseher für das Unterhaltungs- und Bildungsniveau der bundesdeutschen Glotzgesellschaft.

Das öffentlich-rechtliche Zwangskosten-Fernsehprogramm in den Hauptsendern mit dem nicht erfüllten, sogenannten Bildungsauftrag übermittelt immer wieder Bilder, die einen halbwegs gebildeten Schulabgänger einen totalen Stromausfall herbei sehnen lassen.

Da gibt es z.B. aseptische Plastik-Figuren wie Helene Fischer zu sehen, eine trällernde Barbiepuppe aus den Untiefen von TV-Massenproduktionsküchen. Die Dame bietet einen musikalischen Querschnitt von nichts bis alles, quasi eine musikalische Paella-Pfanne, auf der jeder etwas finden kann, von dem ihm schlecht wird.

In SPIEGEL-online ätzte vor einiger Zeit eine Kommentatorin: „Vermutlich ist die Fischer-Show das einzige TV-Reservat für die klassische Showtreppe und ölige Galane, die die Hauptperson des Abends von besagter Treppe auf die Bühne führen. Ganz in Weiß, mit kurzem Cape angetan, wirkt Helene Fischer zu Beginn ihrer Show ein wenig wie eine Superheldin: Asepto-Girl, übernehmen Sie!“

Und weiter: „Erwachsene Menschen mit Mäuseohren und in Eselskostümen, völlig überraschende Auftritte von gänzlich ungeplanten Gästen, die die Moderatorin jetzt mal echt total unvorbereitet zur gemeinsamen Sangesnummer drängen, ein Mann, der einer Schildkröte-Puppe im Hochzeitskleid einen Antrag macht – staunend besieht man diese Showexponate aus vergangenen unzynischen Zeiten, und Helene Fischer reibt sanft ein bisschen Schmalzsalbe auf das aufgeraute Zuschauerherz. Das passt, denn ohne ihr inzwischen abgelegtes Cape sieht ihr weißes Outfit obenrum ein wenig nach slutty Karnevals-Krankenschwester aus.“

Helenes flimmernde Horror-Picture-Show steht hier nur beispielhaft für Qualitätsverlust selbst bei seichter Unterhaltung. Andererseits: Den normalen Fernsehzuschauern, die Salzstangen knabbernd und lauwarmen Billigsekt schlabbernd im Hunsrück, im bayerischen und thüringischen Wald, in der Eifel, an der Küste oder in der rheinischen und norddeutschen Tiefebene vor der Kiste auf ihrer mit Brokatkissen belegten Möbeldiscounter-Couch sitzen, gefällt es so. Na bitte: Wenn sie es so haben wollen, sollen sie dafür auch blechen. Masse statt Klasse ist das Gebot der Stunde.

Und wer jetzt einwendet, das Private Fernsehen sei genauso niveaulos, dem antworte ich: Da haben Sie wohl Recht. Aber für den dort angebotenen Bildschirm-Müll muss ich ja auch nichts bezahlen!

Und ein Letztes und auch mal etwas Positives:

Die ‚Nebenprogramme von ARD und ZDF wie arte, Phönix, neo, one etc. erfüllen natürlich den geforderten Bildungsauftrag der öffentlichen Sender. Aber der Großteil der Zwangsgebühren geht in die Hauptprogramme und in die völlig überzogenen Gehälter der Verantwortlichen des Programms.

Damit muss endlich Schluss sein. Schaut euch die politischen Figuren an, die dort mitbestimmen und das Zwangsgeld befürworten: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist eine davon. Den Rest können die Leser ja mal selber recherchieren.

15.11.2023