Bonner Nachbargemeinde
Neues aus dem Wachtberger Rat(los)haus
(e.r.) – Der Wachtberger Gemeinderat beschloss auf seiner Mai-Sitzung einen ‚ergebnisoffenen Ideenwettbewerb‘ für ein modernes Rathaus in Wachtberg.
Die Entscheidung fiel über alle Parteigrenzen hinweg einstimmig aus. Einstimmigkeit war und ist beim Gewicht eines solchen Themas nicht unbedingt der Normalfall und in diesem Fall war es auch in den bis dahin zum Rathaus-Thema geführten Diskussionen eher kontrovers zugegangen. Jetzt aber sollen erst einmal viele Ideen gesammelt werden und dann wird in Ruhe entschieden oder vielleicht auch wieder neu gestritten.
Das ist zunächst einmal eine gute Entscheidung und so beeilten sich die ansonsten politischen Streithähne auch sofort mit Eigenlob und Schulterklopfen, sprachen gar von einem „Superlativ“ und einer „historischen Entscheidung“. Bei so viel Sonnenschein fragt man sich als kritischer Beobachter der kommunalpolitischen Unterhaltungs-Szene in Bonns schöner Nachbargemeinde Wachtberg daher schnell, wann es wieder zu regnen beginnt und wo eventuell ein paar faule Eier im Nest dieses Beschlusses liegen.
# Da ist zunächst einmal die Frage, was bedeutet „modernes“ Rathaus? Das kann ein Anbau, ein Umbau oder ein Neubau sein. Oder eine Kombination von allem. Das wurde schon vorher kontrovers diskutiert.
# Viel interessanter ist die Frage, warum Bürgermeister, Verwaltung und Mehrheits-Koalition sich erst jetzt zu einer gründlichen Bestandsaufnahme und Ideensammlung bereit fanden? Warum nicht gleich so?
Die Antwort könnte lauten: Weil die Kosten für die Untersuchung einer Sanierbarkeit des Rathauses mit mehr als einer halben Million Euro wohl zu deftig waren? Oder könnte die Antwort lauten: Der Bürgermeister hat plötzlich dazu gelernt, als er mit seiner bis dahin verfolgten ‚Hinterzimmer-Strategie‘ nicht weiter kam?
Das wäre doch schön, würde ihn sogar ehren, denn schließlich lernen auch Bürgermeister nie aus. Andererseits gibt es aber noch eine andere Vermutung: Der lernfähige Bürgermeister hatte den in 2025 bevorstehenden Wahltermin vor Augen. Mit der jetzt erfolgten Einstimmigkeit ist das Thema bis zu seiner konkreten Entscheidungsfindung erst einmal bis nach der Wahl verschoben. 16 Monate vor der Kommunalwahl war das Thema den Strippenziehern in den Rathaus-Hinterzimmern zu heiß. BM Schmidt und die Koalition ersparen sich auf diese Weise strittige, heftige Diskussionen im Wahlkampf. Alles bleibt zunächst im ruhigen Fahrwasser und nach einem erneuten Wahlsieg der bisherigen Akteure wird dann doch gemacht, was man ursprünglich vorhatte. CDU-„Fuchs“ Christoph Fievet, Fraktionschef im Rat, verwies schon mal auf eine Protokollnotiz, wonach am Ende der Wettbewerbsgewinner nicht den Auftrag bekommen müsse. Verlierer sind bis zu einer finalen Entscheidungsfindung die Arbeitskräfte in der Verwaltung, die sich weiterhin mit einer Art von „Büro-Käfighaltung“ begnügen müssen.
Und noch etwas:
Auf eines können sich die Wachtberger Politik-Matadore allerdings immer verlassen: Die Bevölkerung interessiert es wenig, was im ‚Bonner Schlafzimmer‘ (auch liebevoll ‚Ländchen‘ genannt) so alles hinter den Kulissen passiert und wer mit wem klüngelt. Hauptsache, der Kanal vor dem abbezahlten Eigenheim wird regelmäßig gereinigt und kommunale Steuern werden nicht übermäßig erhöht. Aber selbst Letzteres ist nicht so wichtig: Schließlich ist Wachtberg inzwischen die Kommune mit dem höchsten Durchschnittseinkommen im Rhein-Sieg-Kreis.
Den Hausbesitzern sind die Platzhirsche im Rathaus doch egal, solange ihre Privatsphäre nicht gestört wird.
21.05.2024
