Rainy Days?
Immer wieder aktuell: Die nicht aktuellen Wettervorhersagen
Kürzlich erklärte der aus unserer Region stammende ARD-Wettermann Sven Plöger den geneigten Zuschauern mal, wie die Wetter-Moderatoren selber ihre Infos erhalten. Sie bekommen Modellvorhersagen von Fachfirmen / -Leuten geliefert und können sich dann eine passende Vorhersage entweder aussuchen oder auch selbst kombinieren. Die Chancen für die Richtigkeit der Vorhersagen sind dabei ähnlich hoch wie die Gewinnschancen auf einen „Sechser im Lotto“.
Genau das hatte ich immer vermutet, im Fernsehen haben auch die Macher mit modernster digitaler Aufzeichnung meist nicht viel mehr Ahnung wie ein bodenständiger Bauer in der tiefsten Eifel, wenn er aus dem Fenster guckt und zu seiner Frau sagt: „Else, ich glööv, dat et morje räänt“.
Nun gut, das hat ja einen beschränkten Unterhaltungs-wert. Seit weiland der frühere Wetterprophet Kachelmann mit lockerer Grammatik seine Unwissenheit verkündete, sind Vorhersagen immer noch unzuverlässig, aber sie werden auch ohne Schnee flockiger vorgetragen. Bleibt die Frage, warum wir uns den Quatsch überhaupt noch angucken oder hören. Vorhersagen für die kommenden Lottozahlen wären da wohl spannender. Da lobe ich mir doch die spartanische Kurzansage von meinem alten Freund und früheren Tagesschau-Sprecher Ulli Wickert, der mit stoischer Miene am Ende der Nachrichten verkündete: „Guten Abend. Das Wetter“!
Ein anderer Wettermann aus unserer Region, Karsten Brandt, ist auch so eine Marke. Der sympathische, meist schnellschwätzend verbalen Unsinn plappernde Ansager im beliebten Hausfrauensender Radio Bonn Rhein-Sieg zählt zu den herausragenden Falschmeldern bei der Wettervorhersage. Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor einigen Jahren im schönen Wachtberg von Niederbachem nach Villip fuhr und im Auto hörte, wie Brandt einen intellektuellen Kurzdialog mit dem Radio-Moderator führte und der ging so: Brandt: „Karl-Hubert, hast Du schon die Badehose eingepackt?“ Der Radiosprecher: „Wieso?“ Brandt: „Ja, heute scheint den ganzen Tag die Sonne und es bleibt trocken und wird warm“. Während Brandt noch laberte, schafften es die Scheibenwischer meines Autos auch auf der höchsten Stufe nicht mehr, das Wasser von der Frontscheibe abzuräumen. Hätte Brandt in diesem Moment als Anhalter am Strassenrand mit dem Daumen gestanden, ich wäre weiter gefahren, hätte ihm den Stinkefinger gezeigt und ihn stehen lassen.
Aber das waren lustige Momente von gestern. Heute höre ich im Auto nicht mehr Radio Bonn Rhein-Sieg, sondern Eric Clapton oder Dave Brubeck von der CD und wenn ich wissen möchte, wie das Wetter wird, mache ich es wie der Eifel-Bauer: Ich gucke aus dem Fenster und dann weiß ich, was gerade so läuft und auch, was in der nächsten Stunde noch kommen wird.
Früher war alles besser? Nein. Die Wettervorhersagen taugten damals schon nicht und das ist so geblieben.
07.12.2024
