Und Ihr Kommentar? Hier anmelden und sofort schreiben.

Anmeldung

BONN-DIREKT bietet wechselnde Themen zur Diskussion und Meinungsäußerung an.
Leserinnen und Leser können sich dabei beteiligen durch:

•Abschicken eines Kommentars
•Teilnahme am Abstimmungsbarometer
•Sendung eines privaten Fotos zu den bisherigen Bonner Themen
•Vorschläge für weitere Themen und dazugehörige Fotos

Einen Kommentar kann man immer auch zu zurückliegenden Themen abgeben, die Teilnahme am Meinungsbarometer beschränkt sich auf das laufende Thema. Bei Fotosendungen bitte Namen und evtl. Bildunterschrift zufügen.
Nutzen Sie den kostenlosen BONNDIREKT-Newsletter, der Sie unregelmäßig auf aktuelle Nachrichten aufmerksam macht. Der Newsletter ist gratis und jederzeit wieder abstellbar.

Newsletter bestellen




Wer hat noch nicht, wer will noch mal?
Kultur und Sport im Karneval.

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Das klingt fast wie ein neues Karnevalsmotto, ist aber nur ein Hinweis auf den Aschermittwoch, der ja bekanntlich so aussieht:

„Decke Kopp, schlapp und kein Geld mehr“. Aber damit ist vielleicht die Session zu Ende, der Alltags-Karneval geht nahtlos weiter. Und er ähnelt dem Aschermittwoch: Statt dickem Kopf haben jetzt die Sportvereine in Bonn zumindest einen ‚dicken Hals’, die Kommunalpolitik ist schlapp und der Kämmerer der Stadt hat nix im Portemonnaie. Die Vertreter der klassischen Kultur sind ohnehin schon mächtig angefressen, weil sie Geld hergeben sollen, von dem sie nach ihrer  eigenen Ansicht auch zu wenig haben. Damit sind schon mal beste Grundvoraussetzungen für einen lokalen Verteilungskampf gegeben, der in einen Kulturkampf münden könnte.

ViktoriabadBevor die Schlacht losgeht, haben sich alle noch mal ihre gegenseitige Wertschätzung bekundet, was aber schon bald keine Seite daran hindern wird, aufeinander los zu dreschen. ‚Pro-Sportstadt Bonn’-Anführer Michael Scharf (SSF) gab schon mal eine kleine Kostprobe: „Gehen Sie doch mal in die Bonner Oper oder in ein Konzert - überall sehen Sie die selben Gesichter. Als 50-Jähriger gehören sie dort zu den Jüngsten “. 

Es wird richtig unterhaltsam werden, weil das Bonner Wahlvolk zeitgleich zum zweiten Mal aufgerufen ist, Palaver-Beiträge zu Sparvorschlägen oder Umschichtungen im öffentlichen Haushalt zu liefern. Bei „Bonn packt’s an“ stellt sich allerdings nebenher die Frage, wo denn angepackt werden soll, wenn nichts zum Anpacken da ist.

Da hatte die diesjährige Rathauserstürmung schon eine gewisse Symbolkraft: Damit auch noch dem letzten Optimisten klar wurde, wie es um die Kasse bestellt ist, hatte die Stadt nicht einmal mehr  Geld für eine simple Holztribüne und stellte deshalb ein schlichtes Podium auf den Marktplatz, von dem aus sich das Rathaus allerdings nicht erstürmen ließ. Die peinliche Botschaft: In Bonn läuft zukünftig alles eine Nummer kleiner!

Da keimt tatsächlich langsam Mitleid mit der Kommunalpolitik und dem OB auf, die Leute wollen ja auch irgendwann mal gerne wiedergewählt werden und dies wird umso schwieriger, wenn politische Entscheidungen nach dem Verstand und nicht nach Wählerinteressen gefällt werden müssen. Die Wahlgeister, die man rief, wird man nun nicht mehr los!


Und auch noch spannend wird, wie sich Bonns führende Tageszeitung in diese Diskussion einbringt: Sie hat zwar keine WählerInnen, aber AbonnentInnen zu verlieren und da wird der eine oder andere Populismus wohl nicht zu vermeiden sein. Es bleibt spannend in der ‚kleinen Stadt am Rhein’ (SPIEGEL vor über vierzig Jahren).

 

Nimptschman verlängert Karnevalssession

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Nimptschman
Zeichnung R. Wildermann/Text E. Ruckes

   

Opera buffa

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Theater BonnDie Absage der Saarbrücker Intendantin Dagmar Schlingmann ist bedauerlich, bedeutet aber nicht den kulturellen Untergang in Bonn. Dies gilt auch für die schon ‚Vorab-Absagen‘ anderer potenzieller Kandidaten und –tinnen, unter denen es offensichtlich sogar solche gab, die um ihres eigenen Rufes willen erst gar nicht mit Bonn in Verbindung gebracht werden wollten. Bei so viel Hybris darf sich die Stadt durchaus auch über die eine oder andere Absage freuen.

Natürlich sind Sparzwänge betrüblich und die Einsparungen in der jüngsten Vergangenheit durch den Noch-Intendanten verdienen neben seiner künstlerischen Leistung hohe Anerkennung. Aber offensichtlich will es immer noch nicht in manche ‚Kulturköpfe‘: Bonn ist nicht der Nabel der Republik, weder politisch noch kulturell. Das Gros der deutschen Städte steht in der zweiten und dritten Reihe und bietet dennoch attraktive Kultur. Wir sollten in Bonn endlich etwas vom hohen Roß herunter steigen, lange genug hat sich die Kulturszene im Glanz schillernder Namen gespreizt. Jean-Claude Riber und besonders der polyglotte Lebemann, Spesenritter und Cohiba rauchende Intendant Gian-Carlo del Monaco haben die Bonner Oper zwar medienträchtig verkauft, aber sie haben auch die Ansprüche so in die Höhe geschraubt, dass der finanzielle Rahmen schon damals überzogen war und nur durch die politische Ausnahmestellung Bonns gerechtfertigt und auch finanziert wurde.

Jetzt ist endgültig ‚Schluss mit lustig‘: Die Sparvorgaben sind ernst zu nehmen und so lange die Stadt um Sponsoren für Weihnachtsbeleuchtung und Brunnenwasser betteln muss, spielt ein 32 Millionenetat für die Oper immer noch in einer ganz anderen Liga.

Oper ja, aber nicht um jeden Preis! Bonn verfügt noch über andere kulturelle Leuchttürme (Beethovenfest, Beethovenorchester, Museen) und nicht überall muss Bonn in der Bundesliga spielen.

Und nicht zuletzt haben wir ja im Stadtrat einen kulturpolitischen Talentschuppen, wie die neue und nicht ernst zu nehmende Folge unseres ‚Nimptschman‘ zeigt.

   

Plant Nimptsch einen Deal?

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

verteidigungsministeriumDas Thema nervt inzwischen: Seitdem es den Bonn-Berlin-Vertrag gibt, gibt es auch das Gezeter um einen endgültigen Restumzug der noch in Bonn verbliebenen Ministerien. Argumente für oder gegen den Vertrag reduzieren sich auf die Faktoren Arbeitsplätze, Kosten und historische Werte.


Bonn-Befürworter sorgen sich über mögliche Arbeitsplatzverluste, Berlin-Befürworter führen immer wieder die anfallenden Kosten eines doppelten Regierungssitzes an und wenn es in die eigene Argumentation passt, werden von den Kontrahenten auch historische Werte angeführt: Da reden die ‚Bonner’ gerne über die friedliche, demokratische und wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik zu Zeiten Bonns als Bundeshauptstadt, während die ‚Berliner’ über ihre Stadt als das historische Zentrum deutscher Politik schwadronieren.


Historie interessiert aber weniger als Kosten, dennoch bleiben Gegenüberstellungen von Rechnungen für doppelten Regierungsbetrieb oder Neukosten für einen Komplettumzug für den Normalbürger unübersichtlich. Dies auch, weil sich  beide Seiten ihre Argumente häufig ‚schön’ rechnen.


Bleibt das wichtigste Argument: Die Rettung der ministeriellen Arbeitsplätze. Und an diesen Plätzen hängen ja nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern ebenso deren Familien. Dies erklärt u.a., warum sich auch der Rhein-Sieg-Kreis mit großem Engagement für den Verbleib der Bonner Ministerien engagiert, wohnen doch viele Beschäftigte privat im Rhein-Sieg-Kreis.


Und wie denkt der Bonner OB Nimptsch über die Zukunft Bonns als zweitem Regierungssitz? Im Gegensatz zu Landrat Kühn und den örtlichen Bundestagsabgeordneten  aller Parteien äußert sich Nimptsch differenzierter und zwischen den Zeilen könnte man auch etwas ganz anderes vermuten, was in Richtung eines ‚letzten Deals’ hinaus laufen würde. Fakt ist: Kein Gesetz gilt für die Ewigkeit, Gesetze werden immer wieder angepasst, neue Generationen sitzen im Bundestag und deren Verständnis für die Stimmungslage, aus der heraus der ‚Bonn-Berlin’-Beschluss aus dem Jahr 1991 gefällt wurde, tendiert gegen Null.


luft-verteidigungDa ist es nicht ganz abwegig, im Sinne Bonns und der Erhaltung der Arbeitsplätze einen letzten Deal mit der Bundesregierung einzufädeln. Konkret: Restumzug der Regierung nach Berlin und im Gegenzug weitere (festgeschriebene) Ansiedlung bedeutender Bundes- und internationaler Behörden. Damit blieben die reklamierten Arbeitsplätze und ein intaktes Wohnumfeld erhalten, die Regierung hätte ihren gewünschten zentralen Sitz und das Etikett ‚Bundesstadt Bonn’ trüge weiterhin allen Eitelkeiten Rechnung.


Noch gilt der ‚Bonn-Berlin’-Vertrag, noch hat Bonn eine Verhandlungsmasse und deshalb fordert Nimptsch einen Dialog mit Merkel in dieser Sache.
Ob er mit solchen Überlegungen allerdings die  Phalanx aus Berliner Machiavellisten und Bonner Betonköpfen überzeugen kann, bleibt fragwürdig. Um das Thema aber einer endgültigen Lösung zuzuführen, bedarf es mehr als rechtswidrigem Gerüttele aus Berlin an bestehenden Verträgen, aber auch mehr politischer Phantasie als das stereotype Beharren von Bonner Seite auf dem in die Jahre gekommenen Vertrag.


Politik kann so einfach und effizient sein, wenn sie nicht von dauerndem Opportunismus um die eigene Wiederwahl der Politikmacher bestimmt ist.
   

Seite 1 von 5